
Duncan Swann
Selected Outcomes, 2013,
164 x 136cm, Öl auf Leinwand
Eröffnung:
Donnerstag, 13.06.2013
ab 19.00 Uhr
Finissage:
Donnerstag, 27.06.2013
ab 19.00 Uhr
Öffnungszeiten:
Di.- Fr.: 14.00 - 18.00 Uhr
Sa.: 12.00 - 16.00 Uhr
und nach Vereinbarung
Duncan Swann - Selected Outcomes
Selected Outcomes
Die Ausstellung von Duncan Swann zeigt "ausgewählte Ergebnisse". Der erste Eindruck ist, dass diese Anordnung auf Produkte zielt oder auf die Kriterien, nach denen genau das gezeigt wird und anderes nicht. Auch dann, wenn die Anordnung nicht geborgen ist in einem Museum, das zunächst die Musen und dann erst die Exponate beherbergt, wenn sie nicht eintaucht in eine Tiefe der Zeit, wenn sie umgekehrt zur Präsentation wird, die in der Gegenwart von Ergebnissen endet, eröffnet sie doch einen Spielraum. Denn dann und auf genaue Weise nur dann entspricht diesem Ende ein zweites: Die Entscheidung des Künstlers fordert die des Betrachters heraus.
Angebot und Nachfrage: Duncan Swann zeigt, dass dieser Spielraum der Wirtschaft nicht außerhalb der Kunst liegt, dass er vielmehr geeignet ist, das Territorium der Kunst zu vermessen. Denn diese wird durch eine Produktion ebenso bestimmt wie durch die Auswahl ihrer Produkte. Das, was von der Kunst übrigbleibt oder zur Gegenwart wird, ist nicht einfach das Anhalten der Produktion, es ist genauer zu fassen als Wahl dessen, was auf diese Handlung verweist. Denn eine schöpferische Handlung entzieht sich als solche der Darstellung. Der Markt besteht dann nicht mehr nur darin, dass man eingestellt wird oder nicht, dass man ausgestellt wird oder nicht, dass die Ergebnisse der Arbeit gekauft werden oder nicht. Der Markt beginnt vielmehr schon dann, wenn man selber entscheidet: gut oder schlecht. Diese kritische Unterscheidung stellt erst am Ende den Markt als solchen in Frage, der Anfang ist, dass sie den Markt selbst eröffnet.
Man hat diese These verwendet, um das westliche Wirtschaftsmodell zu begründen und zu rechtfertigen, wie einen Kommentar zu einem unverrückbaren Text. Die Integrität des Marktes besteht im kritischen Urteil: Als bloßer Gedanke bedeutet diese These nichts als Dekoration dessen, was ohnehin geschieht. Selbst wenn der Text nicht eindeutig ist, ist der Kommentar doch bitter, weil er dem gilt, was lange geschah. Der bloße Gedanke ist unfähig, Licht in das Dunkel des Marktes zu bringen. Duncan Swann wählt darum die Malerei.
Die letzten Arbeiten von Duncan Swann erscheinen selbst wie eine Anordnung und eine Auswahl. So hat Swann im Münchner Spielzeugmuseum Tableaus fotografiert, die kleine Figuren übereinander gereiht zeigen wie in Zeilen oder Registern. In den Bildern nach diesen Vorlagen findet man einzelne Figuren durch Kreise markiert wie in einem Katalog oder einem Lexikon. Eine andere Serie von Bildern zeigt buchstäblich einen Arbeitsmarkt: Hier sind keine Puppen, sondern Personen markiert. Wenn man sie nur konzeptuell oder als Form versteht, die ein bloßer Gedanke annimmt, wird man die Arbeiten zynisch finden. Dieses direkte Verständnis trifft aber nur den Gegenstand, den Duncan Swann wählt. Denn für Swann geht es am Ende so wenig um Fotografie wie für Lenbach. Die Aufnahmen, die er selbst macht oder findet, werden nicht nur reproduziert. Auch als Wiederholung ist die Malerei ein Mittel der Übersetzung, indem sie die bekannte Ordnung der Dinge entleert und für neue Erzählungen öffnet.
In diesem Fall gibt die Malerei dem, was wir als Fotorealismus kennen, eine überraschende Wendung: Die Fotografie beherrscht nicht einfach das Bild. Die Vertikale und die Horizontale, der markierende Kreis sind symbolische, nicht abbildende Formen. In anderen Serien treten dazu etwa der Wirbel oder der Stern. Duncan Swanns Malerei verwendet die Fotografie nicht nur als Abbild, sondern vor allem als Schema der Wirklichkeit. In Kants "Kritik der reinen Vernunft heißt es: "Das Schema der Wirklichkeit ist das Dasein in einer bestimmten Zeit." (A 145, B 184) In der Fotografie zerfällt die Wirklichkeit in das, was wir aussuchen, was davon übrigbleibt. Indem Duncan Swann Serien herstellt oder gleichzeitig an mehreren Bildern arbeitet, verwendet er diese Bilder, die nur in einer bestimmten Zeit existieren, als Schema der Wirklichkeit. Diesen Weg gibt es wohl nicht ohne das Ziel, die Wirklichkeit als ganze zu lieben. Berthold Reiß